Beiträge 2022-1

Als der i-Punkt seinen Punkt verlor

Vor 20 Jahren im Heidberg.

Beinahe historische Fotos schickte uns unser Leser Gerhard Vehrke. Am 28. Februar 2002 verlor der i-Punkt, das Wahrzeichen des Heidbergs, beim Abriss des Schriftzugs, der das Dach des 56 Meter hohen Gebäudes seit 1969 zierte, seinen Punkt. Ursprünglich als günstige Alternative für sozial Schwächere gedacht, entwickelte sich das Gebäude im Laufe der Jahre immer mehr zum Sorgenkind. Dazu Rolf Kalleicher, damaliger BBG-Vorstand: »Jeden Morgen las der Hausmeister rund ums Haus Heroinspritzen, Kondome und Bierbüchsen auf.«
Am Ende stand das einstige Vorzeigeobjekt zur Hälfte leer. 2003 beschloss die BBG, das Gebäude vollständig zu sanieren. Die Bauarbeiten wurden zum Ereignis: Über ein »i-Punkt-Meter« an der Fassade, das nach und nach kletterte, konnte man den Stand der Bauarbeiten verfolgen. Dank einer Webcam auf der Baustelle konnten alle hautnah dabei sein. Zusätzlich wurde das Haus in einer Aktion als »größter Adventskalender Deutschlands« (siehe Foto) beworben. Der Mitgliederzeitung der BBG lag damals sogar ein i-Punkt-Bastelbogen bei. Zu den vielen Aktionen zählte auch ein Treppenhaus-Marathon über alle 16 Stockwerke.
Bis April 2019 konnte man zudem im spanischen Restaurant »i-Vent«, dass sich auf der obersten Etage befand, über den Dächern der Stadt speisen. Leider konnte bis heute kein Nachmieter gefunden werden.

Das Dreiergestirn

Matthias Disterheft ist der Bezirksbürgermeister des neuen Stadtteils Braunschweig-Süd.

Am 17. November war es soweit: Der Bezirksrat des neuen Stadtteils Braunschweig-Süd traf sich in der Aula der Raabeschule in Stöckheim, um den neuen Bezirksbürgermeister zu wählen. Überraschungen gab es hierbei kaum, da das Ergebnis im Vorfeld feststand. Matthias Disterheft (SPD), ehemaliger Bezirksbürgermeister von Stöckheim-Leiferde, konnte mit 1.829 Stimmen das beste Wahlergebnis vorweisen. Ihm folgten Kurt Schrader (CDU) aus Stöckheim und die bisherige Bezirksbürgermeisterin von Heidberg-Melverode, Christiane Jaschinski-Gaus (SPD), die 1.533 bzw. 879 der Wählerstimmen auf sich vereinen konnten.
Die Abstimmung fiel dementsprechend kurz aus. Matthias Disterheft wurde von allen 17 neu gewählten Vertreter*innen einstimmig zum neuen Bezirksbürgermeister gewählt. Nach der Verkündung des Wahlergebnisses reichte Christiane Jaschinski-Gaus dem neuen Bezirksbürgermeister symbolisch ein Glöckchen, das sie von ihrem Vorgänger Hans-Dieter Osswald bekommen hatte, weiter, um damit zukünftige Sitzungen einzuleiten. Zum Stellvertreter wurde Kurt Schrader ernannt, der sich den Posten mit Jaschinski-Gaus teilt.
»Eines der wichtigsten Ziele ist es, dass der neue Stadtbezirk zusammenwächst und sich alle Bürger*innen der vier Stadtteile weiterhin gut vertreten fühlen«, so Disterheft. »Das einstimmige Votum wird mir dabei helfen. Vielen Dank dafür!«
Der neue/alte Bürgermeister ist alles andere als unerfahren. Matthias Disterheft kam 1967 zur Welt und wuchs in Leiferde auf. Er absolvierte eine Ausbildung zum Landwirt und arbeitete 33 Jahre bei Volkswagen, davon 16 Jahre als Betriebsrat. Derzeit ist er Geschäftsführer und Kassierer der IG Metall in Wolfsburg. Seit einem Jahrzehnt ist er zudem Bezirksbürgermeister in Stöckheim-Leiferde und Ratsherr der Stadt Braunschweig. Der gebürtige Wolfenbütteler hat drei Kinder und ist nebenbei ehrenamtlich als Ortsbrandmeister der Feuerwehr Leiferde aktiv. »Mein politisches Vorbild ist Helmut Schmidt«, verriet er.
Auch sein Stellvertreter Kurt Schrader (Jahrgang 1949) kann über mangelnde Erfahrung nicht klagen. Seine erste Berührung mit der Politik hatte er 1977 auf einem CDU-Gartenfest im Siegfriedviertel. Es war eine Begegnung mit Folgen: Ein Jahr später trat er der Partei bei. Der ehemalige Polizeibeamte und dreifache Großvater ist seit 30 Jahren im Rat der Stadt. Von 2003 bis 2008 war er außerdem Mitglied im Landtag Niedersachsen. Zusammen mit der Heidberger Rechtsanwältin Christiane Jaschinski-Gaus (seit 2016 Ratsfrau im Rat der Stadt Braunschweig) wird das neue Dreiergestirn in Zukunft die Geschicke des nun doppelt so großen Stadtteils leiten.
Auch wenn einiges noch ungewohnt war, brachten die Anliegen der Besucher*innen schnell eine Dosis Normalität in die Sitzung. Es ging um saubere Gehwege, Klimaschutz und die Okerbrücke Leiferde. Der gerade ernannte Bezirksbürgermeister blieb dabei souverän und gelassen, auch wenn ein paarmal drauflosgeredet wurde. »Es ist zwar alles neu hier, aber das Wort erteile ich«, bemerkte er trocken. Der Rest der Tagesordnung verlief ohne weitere Zwischenfälle.

Weihnachtsstimmung trotz Maskenpflicht

Das war Weihnachten im Quartier.

Bereits am frühen Morgen fielen am 1. Advent vereinzelt Schneeflocken. Ein gutes Vorzeichen, denn nach dem Gottesdienst lud man in der St. Thomas-Gemeinde zum Adventsbasar. Statt Spekulatius und Glühwein gab es diesmal Holzfiguren, Selbstgebasteltes, Handarbeiten und Schmuck. Gerade für ältere Anwohner*innen war es ein schöner Lichtblick.
Leider blieb es bei dieser einen Veranstaltung. Da nicht nur die Weihnachtsmärkte in Heidberg und Melverode, sondern auch der Lebendige Adventskalender abgesagt wurden, hatte die Nibelungen-Wohnbau-GmbH im Innenraum der ehemaligen Kneipe »Wolters am Heidberg« wenigstens einen Baum mit Weihnachtsbotschaft aufgestellt.
Auch der AWO-Nachbarschaftsladen versuchte, etwas Weihnachtsstimmung aufkommen zu lassen: Parallel zu den Markttagen bot man frisch gebackene Waffeln und einen Stand mit Geschenkideen an.
Im Dezember ging auch die Aktion »Herzenswünsche« in die zweite Runde. Beim Arbeitskreis Heidberg hatte man beschlossen, die erfolgreiche Bescherungsaktion zu wiederholen. Damals wurden in der Adventszeit im AWO-Nachbarschaftsladen 25 Wunschzettel von älteren Heidberger*innen ohne Angehörige, die im Heim oder im betreuten Wohnen leben, an einem Tannenbaum angebracht. Auch 2021 konnten sich alle Privatpersonen, Hausgemeinschaften, Institutionen, Vereine oder Unternehmen an der Aktion beteiligen und Herzenswünsche erfüllen.
Diesmal wurden jedoch 36 Zettel an den Baum geheftet. Und wieder fanden sich ganz schnell Menschen aus der Nachbarschaft, die bereitwillig mitgemacht haben.
»Diesmal hatten wir zum größten Teil sehr bescheidene und praktische Wünsche«, erzählt Alena Timoffev und blickt dabei auf ihre Liste. »Eine Dame wünschte sich eine Tafel Zartbitterschokolade. Andere würden sich über Kuschelsocken oder ein Rommé-Spiel freuen.« Aber auch Schlafanzüge, ein Friseurgutschein, ein Bildband über Eintracht Braunschweig und Kalender waren dabei.
Stichtag 14. Dezember: Die Geschenke werden im AWO-Nachbarschaftsladen gesammelt, um an die Senior*innen übergeben zu werden. Doch kurz bevor es in Richtung Wohn- und Pflegeheim geht, werden von einer Anwohnerin zwei letzte Päckchen geliefert. Eines davon geht an eine blinde 84-jährige Heimbewohnerin. Dazu gibt es ein kleines Bäumchen im Terrakotta-Topf, damit die alte Dame etwas zum Ertasten hat. Eine liebevolle Geste.
»Wir haben ja alles! Soll man sich noch eine DVD oder eine Kaffeemaschine schenken?«, sagt die Spenderin vergnügt. »Dann lieber so. Da freut man sich, einfach etwas zu verschenken, ganz ohne Gegenleistung!«

Frage und Antwort

Der lange Weg zum Weihnachtsbaum

In unserer Rubrik Frage + Antwort geht es diesmal um den Weihnachtsbaum am Erfurtplatz.

Wie in den beiden Jahren davor wurde am 1. Advent am Erfurtplatz ein Weihnachtsbaum aufgestellt, um wenigstens etwas über den ausfallenden Weihnachtsmarkt hinwegzutrösten. Viele Heidberger*innen fragten uns, wer für die Aufstellung der sechs Meter hohen Tanne verantwortlich war. Die Antwort ist länger, als man zunächst denkt.
In den letzten Jahren ermöglichte eine anonyme Spende das Aufstellen einer Tanne. Diese Summe war 2021 allerdings fast aufgebraucht. Also mussten Unterstützer gefunden werden. Das geschah, indem die stellvertretende Bezirksbürgermeisterin Jutta Jacobs höchstpersönlich mit dem Quittungsblock über den Markt ging, um Marktbeschicker und Geschäftsleute anzusprechen. Das Aussuchen des Baums übernahmen die Bezirksbürgermeisterin Christiane Jaschinski-Gaus und Jutta Jacobs bereits im Oktober, in der Forstgenossenschaft Mascherode.
Bevor es jedoch losging, kam das erste Hindernis: Die alten Lichterketten wurden trotz mehrfacher Nachfrage nicht rechtzeitig herausgegeben. Also mussten neue besorgt werden. »Dieses Mal mit Kerzen und warmem Licht, was einige Passanten sehr positiv aufgenommen haben«, so Jutta Jacobs, die sich dafür auf den Weg machte.
Da 50 Zentimeter der Tanne in der fest installierten Hülse »verschwanden«, wirkt der Weihnachtsbaum diesmal etwas kürzer als sonst. Trotzdem mussten die zwei Lichterketten mit 45 Kerzen durch Baumschule Meyer mit einem Hubwagen angebracht werden. Die nächste Hürde kam, als man feststellte, dass der Schlüssel für den Stromkasten nicht auffindbar war.
Hier sprang Frau Friedrich vom Blumengeschäft »Baccara« zur Seite, indem sie spontan ihre Außensteckdose zur Verfügung stellte. Ihr war es zu verdanken, dass der Baum am 26. Dezember, pünktlich um 20.15 Uhr erleuchtet wurde.
Nachdem der Stromkasten angeschlossen war, folgte das nächste Problem: Am 1. Dezember wurde Braunschweig von einem Sturm heimgesucht, durch den sogar der große Weihnachtsmarkt in der Innenstadt geschlossen wurde. Der Baum geriet dadurch zwar in eine gefährlich aussehende Schieflage, blieb aber fest in der Hülse verankert – nur fiel ein Großteil der schönen Zapfenmännchen den heftigen Windstößen zum Opfer. Nachdem Baumschule Meyer tags darauf den Baum gerichtet hatte, kletterte Alena Timofeev vom AWO-Nachbarschaftsladen auf die Leiter, um bei Regenwetter zusätzlichen Baumschmuck aufzuhängen – diesmal allerdings mit Bindedraht, um weitere Verluste zu verhindern. Man sieht: Das Aufstellen eines Weihnachtsbaums ist schwieriger, als man denkt – vor allem, wenn es sich um eine Tanne von sechs Meter Höhe handelt.
Übrigens ist der Weihnachtsbaum für dieses Jahr schon gesichert. Baumschule Meyer kündigte bereits an, eine zu groß gewordene Fichte für den Erfurtplatz zu spenden. Wer mithelfen möchte, die restlichen Kosten zu tragen, kann dies mit einer Spende tun.

»Früher kamen die Kinder von allein hierher«

Seit über vier Jahrzehnten leitet Evelyn Simson den Abenteuerspielplatz Melverode.

Ab und zu ist Evelyn Simson traurig, dass sie keine eigenen Kinder bekommen hat – obwohl im Laufe von Jahrzehnten sicher Tausende von Mädchen und Jungen in ihrer Obhut waren.
»Ich bin eine treue Seele und sehr bodenständig«, gibt sie zu, denn die eigene Kindheit verbrachte sie gar nicht weit vom Abenteuerspielplatz Melverode entfernt, auf dem sie seit 45 Jahren tätig ist. »Früher, bevor der Südsee ausgehoben wurde, waren hier Kleingärten. Noch lange konnte man auf dem Gelände Fasane beobachten.«
Aus eigener Erfahrung weiß sie, wie schwer es ist, wenn ein Elternteil fehlt. Der Vater starb, als sie drei Jahre alt war und die Mutter war für sie und den Bruder allein da. »Wir sind mit sehr viel Liebe aufgewachsen, weltoffen und liberal«, erinnert sie sich. »Ich hatte stets Möglichkeiten zur Mitbestimmung und viele Entscheidungsfreiheiten. So habe ich bereits früh Eigenverantwortung entwickelt.«
Mit Kindern arbeiten wollte die gelernte Erzieherin immer. »Schon mit zwölf habe ich die Nachbarskinder ausgefahren. Oft denke ich, dass dieser Beruf meine Bestimmung war.«
Als sie im Sommer 1976 ein Berufspraktikum auf dem Abenteuerspielplatz anfing, befanden sich auf dem Gelände lediglich eine selbstgezimmerte Holzhütte und ein altes Feuerwehrauto, in dem Werkzeug aufbewahrt wurde. Besonders am Anfang war es nicht einfach: »Das erste halbe Jahr war ich allein als Hauptamtliche hier, allerdings halfen schon damals Ehrenamtliche.« Neben der Arbeit auf dem Spielplatz absolvierte sie ein Studium im Sozialwesen. Damals war das Grundstück auch für Jugendliche geöffnet. Da es nur die eine Stelle gab, war die pädagogische Arbeit nicht zu bewältigen und das Alter wurde auf bis zu zwölf Jahren eingegrenzt.
Von Anfang an kämpfte der Spielplatz ums finanzielle Überleben. Trotzdem entstand auf dem 15.000 qm großen Gelände langsam ein kleines Dorf. Mit viel Eigenarbeit und Geduld gab es später einen Stromanschluss, eine Wasserleitung und eine Garage als Werkzeugausgabe. Weitere Holzhäuser wurden gebaut, sogar ein Tierhaus, in dem inzwischen vier Ziegen, Kaninchen, Meerschweinchen, eine Katze, Enten und Hühner zu Hause sind. »Heute müssen hier 57 Fensterklappen verriegelt werden, wenn wir abends schließen«, staunt Evelyn Simson.
Mittlerweile gibt es zweieinhalb hauptamtliche Stellen, um die vielfältigen Aufgaben zu bewältigen. Auch wenn der Abenteuerspielplatz schon lange fest etabliert ist, ringt man noch immer um finanzielle Mittel, denn der Ort ist keine städtische Einrichtung, sondern wird von einem Verein betrieben.
»Einen Teil des Geldes müssen wir selbst aufbringen«, sagt die Sozialpädagogin. »Durch die Pandemie ist das schwerer geworden.« Auch andere Dinge haben sich verändert: »Früher kamen die Kinder von allein hierher. Heute werden viele von ihren Eltern gebracht. Sie stehen mehr unter Druck und haben kaum noch Möglichkeiten, frei und selbstbestimmt zu spielen.«
Um die hauptamtliche Nachfolge auf dem Abenteuerspielplatz macht sich Evelyn Simson keine Sorgen, wenn sie voraussichtlich Ende 2022 in den Ruhestand gehen wird. Es ist bereits dafür gesorgt. Pläne für ein Leben nach dem Berufsleben hat sie auch schon. »Möglicherweise schreibe ich ein Buch über die Arbeit. Ich würde mich auch gern mit Heilkräutern befassen. Das hat mich schon immer interessiert. Vielleicht werde ich eine Art Kräuterhexe, alt und weise«, lacht sie.

Eine wilde Mischung

Zehn Jahre Beratungszentrum Wohnen in der Hallestraße.

»Wie viele Hilfsmittel sich hier insgesamt befinden, weiß ich auch nicht«, überlegt Ulrike Kallnischkies-Thiel von der DRK Wohnberatung. »Auf jeden Fall sind es sehr viele. Es ist eine wilde Mischung.« In der Hallestraße 54 findet man Sessel mit Aufstehhilfe, drahtlose Schalter, die sich überall an der Wand befestigen lassen, einen rollstuhlgerechten Herd, ein WC mit integrierter Duschfunktion‎, Rampen, die individuell zusammensteckbar sind, sowie zahllose andere sogenannte »Assistenzsysteme«. Und das Beste: Man kann alles vor Ort ausprobieren.
All dies soll den Senior*innen ermöglichen, möglichst lange in den eigenen vier Wänden zu leben, denn barrierefreie Wohnungen sind noch immer die Ausnahme statt die Regel.
Schon seit den späten 90er-Jahren beschäftigt man sich beim Deutschen Roten Kreuz mit dieser Problematik. Und auch die Wohnungsbaugesellschaften haben sich dieses Themas angenommen.
Durch eine glückliche Fügung kamen DRK, die Nibelungen-Wohnbau-GmbH und das Braunschweiger Informatik- und Technologie-Zentrum zusammen, um ihre Erkenntnisse dazu auszutauschen. Das war die Geburtsstunde der sogenannten »Musterwohnung« im Erdgeschoss der Hallestraße 54, die jüngst ihr zehnjähriges Bestehen feierte. So zumindest lautet die Kurzfassung.
»Anders als in Ausstellungsräumen kann man in einer normalen Wohnsituation sehen, wie die Dinge in der Praxis funktionieren«, erläutert Kerstin Born von der Nibelungen-Wohnbau-GmbH.
Auch in der Musterwohnung setzt man ganz auf Digitalisierung. So gibt es Funklichtschalter, Tageslichtsensoren und Steckdosen, die per App gesteuert werden. Wichtig ist dabei, dass man all diese Dinge ohne große Baumaßnahmen in der eigenen Wohnung installieren kann. Solche »Assistenzsysteme« sind nicht nur für Ältere hilfreich. Auch junge, körperlich beeinträchtigte Menschen können davon profitieren.
Selbst ohne Technik kann man viel bewirken. »Sehbehinderten ist allein dadurch geholfen, dass man farbige Kontraste im Zimmer setzt«, informiert Innenarchitektin Barbara Gaus. »Ein herkömmliches, helles Badezimmer wirkt für sie wie ein Nebel. Farbige Akzente dagegen erleichtern die Wahrnehmung.«
Natürlich wird nicht nur vor Ort beraten, sondern vor allem durch Hausbesuche. Die DRK Wohnberatung kann hier wertvolle Tipps geben. Vor allem berät sie, wie man Assistenzsysteme finanzieren kann – dies alles geschieht kostenfrei.
Auch wenn die Pandemie heute einiges erschwert, konnte man sich zum 10-Jährigen zu einer Führung mit anschließenden Kurzvorträgen anmelden. »Auch die Angehörigen finden bei uns oft Hilfsmittel für den eigenen Bedarf. Beliebt ist vor allem eine Stange mit Haltegriff, die zum Öffnen und Schließen schwer erreichbarer Fenster dient«, so Ulrike Kallnischkies-Thiel.
Dass sich mittlerweile auch viele Schüler mit dem Thema »Wohnen im Alter« auseinandergesetzt haben, gefällt ihr besonders. »Wenn sie hier sind, probieren sie alles aus«, lacht sie. »Und fast immer leuchtet danach der Hausnotruf!«
Weitere Infos findet man auf den Internetseiten www.drk-kv-bs-sz.de und www.nibelungen-wohnbau.de

Von der Luftbüchse zum Lasergewehr

Die Schießvereinigung Hubertus Melverode wird 100 Jahre alt.

Am 10. Februar feiert eines der Urgesteine der hiesigen Vereinslandschaft sein 100-jähriges Bestehen: Die heutige Schießvereinigung Hubertus Melverode wurde 1922 in der »Esterschen Gastwirtschaft« gegründet. Schon ein paar Tage später fand das erste Schießen mit einer für 550 Mark erworbenen »Luftbüchse« statt. Der Name Hubertus kommt bei Schützenvereinen übrigens häufig vor, denn seit dem 11. Jahrhundert wird die Legende vom Jäger Hubertus erzählt, dem an einem Karfreitag ein mächtiger Hirsch mit einem Kruzifix zwischen dem Geweih erschienen war.
Vom Oberlehrer bis zum Ackergehilfen war damals ganz Melverode mit dabei. Als Unterkunft diente dem Verein anfangs ein ausrangierter Eisenbahnwaggon am Landwehrgraben.
Dann, unmittelbar nach Kriegsausbruch, wurden die Tätigkeiten des Vereins eingestellt. Fast drei Jahrzehnte dauerte es, bis der Verein 1967 auf allgemeinen Wunsch wieder ins Leben gerufen wurde. Zu seinen Spitzenzeiten zählte er rund 120 Mitglieder. Die vielen Trophäen im Schützenheim »Hubertusstübchen« sind eine beeindruckende Erfolgsbilanz dieser Jahre.
Andreas Kobbe, der 1. Vorsitzende (seit 2020) der SVg Hubertus Melverode, ist seit Mai 2016 dabei. Bei einem offenen Preisschießen des Vereins wurde er »Volkskönig« und kam so zu einer einjährigen kostenlosen Mitgliedschaft. Im Jahr darauf trat er der Schießvereinigung bei. Inzwischen sind auch seine Frau Martina und sein Sohn mit Begeisterung dabei.
Heute versucht der SVg Hubertus Melverode, mit der Zeit zu gehen. Am Schießstand wird alles über eine elektronische Schießanlage gesteuert. Ein Großbildschirm überträgt die Schießergebnisse in den Aufenthaltsraum und gibt die Trefferquote wieder. Mittlerweile gibt es hier sogar eine professionelle Lichtpunktschießanlage, auf der man mit einem Lichtpunktgewehr die eigene Treffsicherheit testen und die Ergebnisse als Ausdruck mitnehmen kann.
Wer denkt, dass bei einer Schießvereinigung ein wüstes Geballere herrscht, liegt falsch. Beim SVg Hubertus Melverode werden vorwiegend Luftgewehre oder -pistolen benutzt. Die einzigen Geräusche stammen von den »Diabolos« – das sind 4,5 mm große Bleikelche, die beim Aufprall einen scheppernden Laut verursachen. Sportschießen erfordert höchste Konzentration. Die richtige Körperhaltung und Atmung sind entscheidend. Man muss völlig entspannt auf das Ziel fokussiert sein. Schon der eigene Pulsschlag genügt, um das Ziel zu verfehlen. Genau das ist es, was Andreas Kobbe an dieser Sportart fasziniert: »Wenn ich dann meinen Gehörschutz trage, bin ich ganz in meiner eigenen Welt.«
Auch wenn Corona es dem Verein schwer gemacht hat, geht das Leben im Hubertusstübchen weiter. Gern hätte man das Jubiläum groß gefeiert, doch unter den aktuellen Bedingungen ist vorerst nur eine interne Feier im Schützenheim möglich. Vom 6. bis 8. Mai wird voraussichtlich ein Schützenfest auf dem Festplatz stattfinden. Und für den September ist ein Zapfenstreich geplant. Mehr dazu erfährt man in der Tagespresse.

Festessen mit Weihnachtsquiz

Der Seniorenkreis Heidberg feierte Weihnachten.

Nach der Wahl des neuen Vorstands im letzten Juli kehrt auch beim Seniorenkreis Heidberg etwas Normalität ein. Nach einer Busfahrt nach Müden an der Aller, am Nikolaustag, konnte man in diesem Jahr sogar die traditionelle Weihnachtsfeier wiederaufleben lassen. Am 14. Dezember trafen sich 33 Senior*innen zu einem gemeinsamen Festessen im »Gliesmaroder Thurm«. Nach dem Sektempfang und einer kurzen Begrüßungsrede wünschte die neue Leiterin, Bettina Hoffmann, allen ein schönes Fest.
Nun war der Zeitpunkt gekommen, um sich bei den beiden Ehrengästen zu bedanken. Karin Buchheister hatte nach dem Tod ihres Mannes neben der Weiterführung des Rüninger Seniorenkreises zusätzlich die Leitung des Seniorenkreises Heidberg übernommen. Ihr ist es zu verdanken, dass weiterhin Reisen und Museumsbesuche stattfinden konnten, oder gemeinsame Treffen in verschiedenen Lokalen organisiert wurden. Auch Cornelia Kindel erhielt an diesem Nachmittag ein herzliches Dankeschön. Als nach Beginn der Bauarbeiten im Sportbad Heidberg die Räumlichkeiten dort nicht mehr zur Verfügung standen, hielt sie unermüdlich nach neuen Orten für die Seniorentanzgruppe und den Spielekreis im Stadtteil Ausschau. Ohne sie wäre der Seniorenkreis sicher auseinandergefallen.
»Du hast Großes geleistet und dafür sagen wir danke«, so Bettina Hoffmann. »Wir hoffen, dass du auch weiterhin die Tanzgruppe und die Spielenachmittage betreust!«
Nach den Ehrungen wurde das Essen serviert und ein buntes Unterhaltungsprogramm gestartet. Für Abwechslung sorgte eine Weihnachtsgeschichte von Astrid Lindgren, die von Frau Siano gelesen wurde. Danach löste man gemeinsam weihnachtliche Quizfragen und lernte dabei einiges dazu: Wie viele Kerzen hatte beispielsweise der erste Adventskranz? Dann kam noch’n Gedicht – zwar nicht von Heinz Erhard, aber mindestens genauso lustig. Schon war die Zeit wie im Flug vergangen, und man machte sich langsam auf den Heimweg.
Trotzdem oder gerade deswegen war es für alle eine besonders schöne Feier, denn nicht nur junge Menschen leiden unter der Isolation und den wenigen bis gar keinen sozialen Kontakten in der Pandemie. Da im fortgeschrittenen Alter jeder Tag ein Geschenk ist, sind zwischenmenschliche Begegnungen besonders wichtig, um die geistige Unversehrtheit zu erhalten. Als ganzheitlich zertifizierte Gedächtnistrainerin hat Bettina Hoffmann gesehen, was Corona bei älteren Menschen anrichten kann: »Es ist mir eine Herzensangelegenheit, alles, was möglich ist, zu tun, damit wir dieselben Fehler nicht noch einmal machen. Auch wir haben ein Recht auf einen Anteil am gesellschaftlichen Leben.«
Kleiner Nachtrag: Der erste Adventskranz (im Jahre 1833) hatte 19 kleine rote und vier dicke weiße Kerzen. Die kleinen für die Werktage, die großen für die Advents-Sonntage.

»Angstorte« und Tatorte sind nicht immer identisch

Das Forschungsprojekt »DiverCity« war drei Jahre im Heidberg unterwegs.

Die Straßenbahnunterführung an der Haltestelle HEH-Klinik zählt zu den Punkten, die besonders Frauen nachts eher meiden. Sie zählt zweifellos zu den zahlreichen »Angstorten« des Stadtteils.
Rund 40 solcher Orte wurden im Rahmen des Forschungsprojekts »DiverCity – Sicherheit und Vielfalt im Quartier« im Heidberg entdeckt. »Tunneleffekt, geringe Beleuchtung, kaum soziale Kontrolle« liest man dann oft.
Drei Jahre dauerten die Untersuchungen. Monatelang waren 25 junge Mitarbeiter*innen des Forschungsverbundes der Leibniz Universität Hannover und der Polizeiakademie Niedersachsen im Heidberg unterwegs, um bauliche Besonderheiten des Stadtteils zu erfassen und potentielle Gefahrenquellen aufzuspüren. Dazu wurden Interviews mit Entscheidungsträger*innen geführt und viele Menschen vor Ort befragt. Die Untersuchung hatte nicht den Anspruch, den gesamten Stadtteil einzubeziehen. So ist zum Beispiel der Heidbergpark nicht dabei. Auch eine abschließende »interdisziplinäre Begehung« konnte aufgrund der Pandemie nicht stattfinden.
Im November präsentierten Sabine Rebe und Melanie Schlüter vom LKA Niedersachsen sowie Jens Zeiler, Polizeihauptkommissar und Beauftragter für Kriminalprävention aus Braunschweig, die Ergebnisse des Projekts in der St. Thomas Gemeinde auf mehreren Stellwänden.
Zeilers Resümee: »Der Heidberg ist aus polizeilicher Sicht unbedenklich.« Wenn man die Umfrageergebnisse betrachtet, sehen das die meisten Heidberger*innen genauso.
»Die zentralen Themen im Quartier sind daher nicht Kriminalität, sondern Wohnraummangel und der sich vollziehende Generationswechsel«, so Sabine Rebe. Vorhandene Gefahrenquellen möchte man dennoch eliminieren. Dabei wies sie darauf hin, dass Angstorte und Tatorte nicht immer identisch sind: »In Braunschweig zählt beispielsweise der überdachte Bereich am Bohlweg zu den prominentesten Angstorten der Stadt. Doch trotzdem ist dort keine überdurchschnittlich hohe Kriminalität zu verzeichnen.« Viele potentielle Gefahrenquellen könnten im Heidberg bereits mit einer besseren Beleuchtung und Orientierungshilfen beseitigt werden. Um hier Abhilfe zu schaffen, arbeitet man eng mit den Wohnungsbaugesellschaften zusammen.
Wichtigste Zielgruppen bei weiteren Planungen sollen jedoch Familien und Jugendliche sein. Während die Älteren mit der derzeitigen Situation zufrieden sind und sich gut aufgehoben fühlen, beklagen Jüngere, dass es keinerlei Angebote im Quartier für sie gibt. Um den Heidberg für junge Familien attraktiver zu machen, müssen größere Wohnungen her. Und auch die unbebauten Flächen sollten in Zukunft besser genutzt werden.
Die Ergebnisse der Studie sind im Internet abrufbar: unter www.div-city.de.

Digitale Sprechstunde im AWO Nachbarschaftsladen

Seit November 2020 findet im AWO Nachbarschaftsladen das Angebot »Einführung in die Smartphone- und Tabletnutzung« statt. Dieses Projekt des Netzwerks »Gesund älter werden im Heidberg« möchte der älteren Generation Berührungsängste nehmen und dabei helfen, die praktische Nutzung des eigenen Smartphones oder Tablets zu erlernen.
Die Schulungen finden im Einzelgespräch (nach vereinbarten Termin) im Nachbarschaftsladen statt. Bislang haben bereits 40 Senior*innen – überwiegend aus dem Stadtteil – das Angebot für sich genutzt.
In Kooperation mit der Freiwilligenagentur Jugend, Soziales, Sport e.V. Braunschweig wird nun eine zusätzliche digitale Sprechstunde angeboten. Das Projekt »Digitalisierungshelfer*innen« leistet bei der Buchung von Behörden- und Arztterminen, der Nutzung von Onlineformularen, sowie bei anderen Dingen, die momentan ausschließlich digital durchgeführt werden, Unterstützung. Dazu gehören der Kauf von Tickets für Kino, Theater, Stadion, Bahn oder ähnliches. Ehrenamtliche Helfer*innen erklären an einem Tablet bzw. Smartphone der Freiwilligenagentur, wie so etwas funktioniert. Wer mag, kann auch das eigene Gerät mitbringen.
Das Projekt richtet sich besonders an ältere Menschen und alle, die digitale Unterstützung und Hilfe benötigen. Die digitale Sprechstunde findet 14-tägig, jeweils am Freitag, von 12.15 bis 13.15 Uhr statt. Am 4. Februar soll es losgehen. (Foto: Andrea Piacquadio, Pixels.de)
Weitere Informationen gibt es unter: Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V. Sonnenstraße 13, 38100 Braunschweig
Tel.: 0531 – 48 110 20 oder per E-Mail: Somayeh Bajati s.bayati.fwa@icloud.co

Weitere Informationen gibt es unter:
Freiwilligenagentur Jugend-Soziales-Sport e.V.
Sonnenstraße 13, 38100 Braunschweig
Tel.: 0531 – 48 110 20 oder per E-Mail:
Somayeh Bajati s.bayati.fwa@icloud.com
Oliver Dieckmann o.dieckmann.fwa@icloud.com

Ein neuer Pflegedienst stellt sich vor

Neu: der Ambulante Pflegedienst »Behütet zu Hause«.

Schon länger gab es den Gedanken, der zur Gründung des Vereins »Sozialwerk Gemeinsam für Braunschweig e.V.« führte. »Es gibt viele Ideen, wie wir in Braunschweig Gutes tun können.
Dabei denken wir an die Arbeit mit psychisch Kranken, Familien, Ratsuchenden und Randgruppen. Einige unserer Ideen sind schon sehr klar, andere dagegen werden gerade entwickelt«, erklärt der Vorstand des Vereins, Michael Röhl. »Mit dem Ambulanten Pflegedienst ›Behütet zu Hause‹ haben wir nun ein erstes Werk unter unserer Trägerschaft auf den Weg gebracht.«
Hilfsbedürftige Menschen zu Hause zu unterstützen, ist ein besonderes Herzensanliegen des Pflegedienstes. Daher auch der Name »Behütet zu Hause«. Hierfür hat man ein Team von Mitarbeiter*innen angestellt, die sich über den Start freuen. Die Leitungskräfte Karola Wöhlk und Jenny Kuhlmann verfügen dazu über langjährige Berufserfahrung und stehen mit ihrer Kompetenz zur Verfügung.
»In einem umfassenden Beratungsgespräch erläutern wir Ihnen und Ihren Angehörigen Ihr individuelles Betreuungspaket, ganz auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten«, führt Michael Röhl aus. »Hierbei bieten wir neben der Pflege und Betreuung auch hauswirtschaftliche Leistungen und Aufklärung rund ums Thema Pflegegeld sowie weiterführende Pflegebereiche an. Wir bieten alle Leistungen der Kranken- und Pflegeversicherung und nehmen uns für sämtliche Fragen gern Zeit.«
Dem Pflegeleitbild entsprechend möchte man den Patient*innen die Möglichkeit geben, in ihrer gewohnten häuslichen Umgebung zu bleiben. Der neue Pflegedienst sieht seine Aufgabe darin, die Selbstständigkeit und Eigenverantwortung zu erhalten, zu fördern und zu unterstützen. Dabei ist vor allem eine vertrauensbildende Zusammenarbeit mit pflegenden Angehörigen ein großes Anliegen. Man möchte gerade in schwierigen Situationen Beistand leisten.
Das Büro von »Behütet zu Hause«, Am Alten Bahnhof 15, ist Montag bis Freitag von 8.00 bis 16.30 Uhr besetzt. Von 16.30 bis 8.00 Uhr und an den Wochenenden ist der Pflegedienst über das Bereitschaftstelefon auch außerhalb der Geschäftszeiten erreichbar. Einzugsgebiet sind die Stadt Braunschweig sowie Wolfenbüttel und Salzgitter.
Mehr erfährt man unter 0531-89 50 82 sowie per E-Mail: info@behuetet-zuhause.de. Webseite: www.sozialwerk-bs.de

Lebensenergie auf drei Rädern

Das AWO-Wohn- und Pflegeheim Heidberg erhielt eine E-Rikscha.

Wer im Straßenverkehr des Heidbergs ein sonderbares dreirädriges Gefährt entdeckt, das eine entfernte Ähnlichkeit mit einem Fahrrad aufweist, muss sich nicht wundern. Es handelt sich höchstwahrscheinlich um die E-Rikscha, die seit November letzten Jahres zum AWO-Wohn- und Pflegeheim in der Dresdenstraße gehört. Zwölf solcher Rikschas sind bislang auf Braunschweigs Straßen unterwegs. Gerade in der Corona-Zeit möchte man so Senior*innen die Möglichkeit geben, am Leben außerhalb eines Pflegeheims teilzuhaben.
Die Idee stammt aus Dänemark. »Radeln ohne Alter« ist eine Initiative, die 2012 in Kopenhagen entstand und sich schnell in andere Länder verbreitete. Als man vor zwei Jahren durch eine Mitarbeiterin im Vorstand der Bürgerstiftung Braunschweig davon erfuhr, versuchte man spontan die Idee auf unsere Stadt zu übertragen.
Unter dem Motto »Für das Recht auf Wind im Haar in jedem Lebensalter!« konnte man schnell Sponsoren wie die Braunschweigische Landessparkasse, BS Energy, Stiftung Hilfreich, die Sparda Bank und Volkswagen Financial Services gewinnen. Im November 2020 fand die Übergabe der ersten Rikscha an das Senioren- und Pflegezentrum Bethanien statt. Die Begeisterung war so groß, dass in nur wenigen Monaten weitere Einrichtungen mit einem Hightech-Drahtesel versorgt werden konnten. Im letzten Sommer gab es bereits ein Rikscha-Treffen auf dem Schlossplatz.
»Die Resonanz, die wir über das gesamte letzte Jahr von den älteren Menschen, dem Personal aus den Heimen und vielen Angehörigen erhalten haben, ist überwältigend«, stellte Andrea Reinhart vom Vorstand der Bürgerstiftung Braunschweig fest.
Ermöglicht wird das Ganze vor allem durch Ehrenamtliche, die in ihrer Freizeit in die Pedale treten. Damit auch das Zwischenmenschliche nicht zu kurz kommt, wird gemeinsam mit den Senior*innen eine Route erstellt. Warnwesten für die Fahrer*innen und warme Decken für die Passagiere werden gestellt. Im gemächlichen Tempo kann man dann zu dritt die Umgebung erkunden.
»Für die Bewohner*innen ist so eine Rikschafahrt ein ganz besonderes Erlebnis und weckt bei manchen ganz neue Lebensenergie«, erklärte die Bürgerstiftung zum einjährigen Jubiläum des Projekts.
Das gesamte ehrenamtliche Projektteam ist mittlerweile auf rund 90 Personen angewachsen. Auch für Senior*innen, die zu Hause leben, steht eine Rikscha in der Bürgerstiftung bereit. Wer Interesse an einer Rikschafahrt hat, kann sich an die Bürgerstiftung wenden. Menschen, die sich ehrenamtlich an dem Projekt beteiligen möchten, können sich bei Nina Voß melden: unter Telefon 0531-48 20 24 22 oder per E-Mail: ehrenamt@buergerstiftung-braunschweig.de

Kurzmeldungen

Ein Dart-Turnier für Chiara

Die Vorfreude war riesig. Doch als die kleine Chiara Brunetti am 13. März letzten Jahres zur Welt kam, stellte man bei ihr »Tibiale Hemimelie« fest, eine Fehlbildung des Schienbeins. Da diese Anomalie äußerst selten vorkommt, sind die medizinischen Möglichkeiten noch weitgehend unerforscht. Um dem Kind trotzdem ein normales Leben zu ermöglichen, sind kostspielige Operationen nötig, für die rund 350.000 Euro aufgebracht werden müssen. Dazu haben die Eltern den Stiftungsfonds »Helft-Chiara« eingerichtet und zu Spenden aufgerufen.
Als die »Mighty Monkeys« von der Dartabteilung des SV Melverode-Heidberg davon hörten, stellten sie sofort einen entsprechenden Spendenaufruf auf die Homepage des Vereins. Zusätzlich entschied man, ein Dart-Turnier inklusive großer Tombola zu veranstalten. Zusammen mit den »26Magic Darts« des Schützenvereins SV Leiferde, die sofort mit dabei waren, wurde in kürzester Zeit eine erfolgreiche Veranstaltung organisiert, zu der viele Dartspieler angereist kamen. Insgesamt sind so unglaubliche 11.121,17 Euro zusammengekommen.
Dazu der SV Melverode: »Im Namen der Familie Brunetti und der beiden Dartvereine Mighty Monkeys und 26Magic Darts sagen wir vielen herzlichen Dank!«

Udo Jürgens – eine musikalische Lebensgeschichte

Udo Jürgens gehörte in den letzten 50 Jahren zu den ganz großen Künstlern in der Unterhaltungsmusik. Bereits im Alter von fünf Jahren zeigte er Interesse an den Instrumenten Mundharmonika, Akkordeon und später Klavier. Jedoch blieben die Erfolge zunächst aus. Erst mit 30 Jahren erlebte er beim »Grand Prix Eurovision de la Chanson« seinen Durchbruch. Danach ging seine Karriere steil nach oben, und fast alle seine Lieder wurden zum »Ohrwurm«.
Das Netzwerk »Gesund älter werden im Heidberg« lädt am 27. Januar um 16.30 Uhr zum Vortrag »Udo Jürgens – eine musikalische Lebensgeschichte« ein. Ort ist die ev.-luth. Kirchengemeinde St. Thomas (großer Saal), Bautzenstraße 26. Die abwechslungsreiche und interessante Lebensgeschichte wird von Günter Tresp nacherzählt. Foto: Jac de Nijs/Anefo
Anmeldung unter Telefon 0531-86 67 00 53.

Zurück im Heidberg

Für viele Senior*innen ist sie unverzichtbar: Die Nachbarschaftshilfe Braunschweig-Süd bietet Hilfe für Ältere und Hilfsbedürftige. Zu ihren Leistungen zählen nicht nur eine Begleitung zum Arzt, Hilfe beim Reinigen der Wohnung oder bei Behördenangelegenheiten, sondern auch die Buchung eines Impftermins. Aufgrund der Sanierung des Sportbads Heidberg wanderte die Geschäftsstelle der Nachbarschaftshilfe vor ein paar Jahren in die Görlitzstraße 6 nach Melverode. Doch nun ist man wieder zurück im Quartier. Zwar nicht wie ursprünglich geplant im neuen Sportbad, aber direkt gegenüber, in den ehemaligen Räumlichkeiten der Confiserie »Chocolata«, Wittenbergstraße 5. Auch personell gab es Veränderungen. Statt Hans-Joachim Vögeding übernahm Annick Wilke die Koordination der Nachbarschaftshilfe.

Online

Wer etwas im Internet über das Leben in Melverode erfahren wollte, hatte es zuletzt schwer. Kurz nach der Schließung der Alten Schule am Südsee ging auch die Homepage des Kulturrings Braunschweig vom Netz. Danach musste man sich zu den Schaukästen vorm Einkaufszentrum begeben, um Neues aus dem Stadtteil zu erfahren. Seit der Neueröffnung der Alten Schule erstrahlt auch die Homepage des Vereins im neuen Glanz. Besonders hilfreich ist vor allem der Terminkalender, der über sämtliche Veranstaltungen der frisch sanierten Begegnungsstätte informiert. Dazu gibt es viel Wissenswertes über die Geschichte des Stadtteils und die Entstehung des Kulturrings. Auch die Webadresse ist leicht zu merken: https://kulturring-melverode.de

Wohlverdienter Ruhestand

Seit 2006 war Eckehard Binder im Heidberg. Er hat in dieser Zeit nicht nur als Pfarrer in der St.-Thomas-Kirchengemeinde viel bewegt. Auch bei der Stadtteilarbeit leistete er von Anfang an tatkräftige Unterstützung. Zusammen mit Heidberg AKTIV machte er Events wie den »Heidberger BürgerBrunch«, Ausstellungen wie »Heimat im Koffer« oder das »Konzert der Vielfalt« erst möglich. Im letzten Jahr ging er in den wohlverdienten Ruhestand.
»Nachdem ich meinen Dienst bereits vor sechs Jahren auf eine halbe Stelle reduziert hatte, möchte ich nun endgültig mehr Zeit für meine Frau und meine größer gewordene, aber auch weit verstreute Familie haben«, schrieb er in seinem Abschied. Im letzten Herbst fand zu seiner Verabschiedung ein Gottesdienst in der St.-Thomas-Kirche statt. Doch auch wenn er nicht mehr als Pfarrer tätig ist – in der spirituellen Arbeit und der Meditation bleibt er seiner Gemeinde weiterhin erhalten. »Sein Tun und Wirken hat ein unverwechselbares Profil gezeigt, das in seiner Gemeinde zahlreiche Spuren hinterlässt und bedeutsam bleiben wird«, erklärte der Pfarrverband Braunschweiger Süden.

Päckchen und Schultüten

Für Julia Swiatkowski war 2021 ein ereignisreiches Jahr. Seit 2017 engagiert sie sich für die Aktion »Päckchen für Braunschweig«, bei der aufgerufen wird, bedürftigen Kindern zu Weihnachten eine Freude machen wollen. Für dieses Engagement bekam sie vor fünf Jahren den Jugendpreis des Braunschweiger Doms. Auch bei »Schultüten für Braunschweig« ist sie dabei. Diese Aktion wird hauptsächlich durch Spenden und Sponsoren getragen.
Trotz Pandemie konnten im August 120 Schultüten gepackt werden, die an finanziell schwach aufgestellte Familien gingen, deren Kinder in die erste Klasse kamen. Die »Sickter Schatzkiste« spendete Stifte, Hefte und Tuschkästen, während zwei Braunschweiger dm-Filialen mit Füllmaterial wie Fruchtriegel, Handgel und zusätzlichen 20 Schulranzen dabei waren. Die Schulranzen wurden ebenfalls an die Kinder verteilt, die bisher noch keinen Schulrucksack hatten.
Über Langeweile wird sich Julia Swiatkowski auch in Zukunft sicher nicht beklagen können, denn seit November gehört die Heidbergerin dem Bezirksrat des neuen Stadtteils Braunschweig-Süd an.